Das Baby Grünbaum

Achtzehnhundert
Achtzig, am sieb’ten April,
Montag, wenn man’s genau wissen will,
Hab’ ich, vom Schöpfer der Erde geschickt,
Wie man sagt, »das Licht der Welt erblickt«.
Das heißt, »erblickt« ist nicht richtig erzählt,
Denn ich kam nicht sofort mit den Augen zur Welt,
Indem ich vielmehr – was soll mir die Scham! –
Auf die Welt erst mit jenem Körperteil kam,
Auf welchem sich, weil er am Leibe liegt hinten,
Bekanntlich keine Augen befinden.Ich erschien also erst nur zu fünfzig Prozent,
Sie versteh’n, also nur mit dem hinteren End’,
Doch im nächsten Moment schrie mein Vater »Hurra«,
Da war das vordere auch schon da!
Für das jüngste Schwesterlein meiner Mutter
War die ganze Geschichte ein Futter.
Sie war wohl noch ledig, doch riesig gescheit,
Stand an der Wiege die ganze Zeit,
Und nachdem sie, da sie vor Neugier getrieft hat,
Meine Bestandteile sorgsam geprüft hat,
Sah sie sich um voll Triumph in der Stub’
Und sagte: »Kinder, es ist ein Bub!« … …

Bilder: Egon Schiele



Als philosophischen Conferencier oder  ›Salonmephisto‹ gepriesen, war FRITZ GRÜNBAUM in einer einmaligen Brettlzeit eine einmalige Erscheinung -- der kleine Mann mit den großen Pointen, die ins Schwarze trafen. Er verabreicht mit seinen Texten allerlei zutreffende Lebensweisheiten in amüsanter Form, gut dosiert, ohne zu verwunden, weil ihre ätzende Wirkung durch Güte, die nachdenklich macht und zugleich erheitert, entschärft wird.

Auswahl:Hans Veigl

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EAN:978-3-943 708-89-9
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